Yip Man


Mit den Fingern die Revolvertrommel herausgerissen


Yip Man war nicht an Ruhm oder Reichtum interessiert, und  niemals  gab er mit seinen Können vor anderen Leuten an.  Dennoch gibt es  ein oder zwei interessante Geschichten über  ihn, die von  Augenzeugen – möglicherweise nicht frei von  Übertreibungen –  berichtet wurden. Einmal im Jahr fand  traditionsgemäß eine Art  Umzug in Fatshan statt, an  der alle reichen Kaufleute, Industrielle  und sonst wie  bedeutende  Personen der Stadt teilnahmen.


Einem solchen Umzug sah auch Yip Man mit einigen jungen Damen zu. Nicht weit von ihnen stand ein Soldat. Yip Man hatte zu diesem Zeitpunkt etwas gegen Soldaten im Allgemeinen. Denn wer damals Soldat wurde, war entweder ein Herumtreiber oder ein Bandit. Ordentliche junge Leute gehen nicht zu den Soldaten, lautete damals ein gängiges Sprichwort. Yip Mans Begleiterinnen waren sehr elegant gekleidet, und ihre Schönheit und ihr vornehmes Benehmen lenkten die Aufmerksamkeit dieses Soldaten auf sie. Yip Man missfiel sehr, wie dieser Soldat sich den Damen näherte und sie in beleidigender Weise ansprach. Yip Man hielt ihm deshalb seine schlechten Manieren vor, was zu einer lauten Auseinandersetzung führte. Als der Soldat zu seiner Überraschung merkte, dass Yip Man ganz und gar kein schwächlicher Stubengelehrter war, wurde er noch wütender, zog seinen Revolver und hob ihn, um ihn auf Yip Man zu richten. Yip Man zögerte keinen Augenblick. Er schlug den Waffenarm zur Seite, ergriff die Pistole und riss mit kräftigen Fingern die Trommel aus dem Revolver. Bevor sich der Soldat von seinem Schreck erholten konnte, war Yip Man mit seinen Begleiterinnen verschwunden.